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Bulletin 22: Komplementärmedizin im Spital

von gino479
Arzt

Integrativ behandeln

Am Kantonsspital in St. Gallen behandelt Dr. med. Marc Schlaeppi seine Patienten integrativ, unter Einbezug also von komplementär­ wie auch schulmedizinischen Methoden. Er baute hier vor drei Jahren ein Zentrum für Integrative Medizin auf – eine Pioniertat in der Schweiz.

Einreibungen mit Ölen, Akupunktur, Kunsttherapie, Schafgarbenwickel – alles ganz normal am Kantonsspital St. Gallen. Wann immer eine Patientin oder ein Patient eine komplementärmedizinische Beratung wünscht oder wenn ein Schulmediziner bei einem Krankheitsfall nicht mehr weiter weiss, kann das hauseigene Zentrum für Integrative Medizin ins Spiel kommen – auf Zuweisung des Arztes hin. Im Zentrum stehen Ärzte, Therapeutinnen und Pflegende in ständigem Austausch, sodass ein Fall aus unterschiedlichen Gesichtspunkten beleuchtet werden kann. An der wöchentlichen Sitzung werden schwierige Fälle eingehend besprochen.

Pflege wichtig

Besonderes Gewicht wird am Zentrum auf die Arbeit der Pflegerinnen und Pfleger gelegt. Sie werden speziell ausgebildet für äussere Anwendungen wie Wickel und Auflagen. In Sprechstunden – die immer randvoll ausgebucht sind – beraten sie die Patienten und geben ihnen Anleitungen zur Anwendung. Der zuweisende schulmedizinische Arzt erhält später einen Bericht über die vorgesehene Behandlung und könnte sein Veto einlegen. So erhalte man eine zusätzliche Sicherheit, sagt Dr. Schlaeppi: «Der Einsatz neuer Substanzen kann potenziell in Wechselwirkung treten mit konventionellen Medikamenten.» So reduziert etwa das Johanniskraut die Wirkung einer Chemotherapie um bis zu 30 Prozent.

Schweizweit einzigartig

Das Zentrum für Integrative Medizin gibt es seit 2012. Einen Paradigmenwechsel habe es damals bedeutet, Komplementärmedizin in ein Versorgungs­/Zentrumsspital zu integrieren, sagt Dr. Schlaeppi. Die beiden Universitätsspitäler in Zürich und Bern verfügten schon länger über komplementärmedizinische Angebote «– aber punkto Integration von Komplementär­ und Schulmedizin an einem öffentlichen Zentrumsspital sind wir wie ich denke führend». Früher gab es am Kantonsspital St. Gallen lediglich Akupunktur und eine Osteopathin. Marc Schlaeppi fing hier als konventioneller Onkologe an. Er hatte aber zuvor in der Klinik Arlesheim als anthroposophischer Arzt gearbeitet. «Diese zwei Gebiete – Komplementärmedizin und Onkologie – wollte ich dann aber gern kombinieren», erzählt er. Nun begannen für Schlaeppi fünf Jahre intensiver Auseinandersetzungen und unzähliger Gespräche. Dank Unterstützung etwa des Chefs der Onkologie und des Leiters des Palliativzentrums konnten Verwaltungsrat und Geschäftsleitung überzeugt werden. Schliesslich startete ein Pilotprojekt in der Klinik in Flawil, die auch zum Kantonsspital gehört. An Palliativ­ und Schmerzpatienten wurde geprüft, ob es machbar und sicher ist, Komplementärmedizin am Spital zu integrieren – mit Erfolg.

Beide Seiten der Medaille

Pensum von 20 Prozent auch als «gewöhnlicher» Onkologe am  Kantonsspital. Der integrative Ansatz ist für ihn ganz zentral: «Dass wir am Kantonsspital mit komplementärmedizinischen Methoden arbeiten, ist nicht alternativ zur Schulmedizin zu verstehen, sondern ergänzend zu ihr.» Aber wie anderswo gebe es auch am Kantonsspital Ärzte, die der Komplementärmedizin skeptisch gegenüberstünden. Allgemein beobachte er aber einen verstärkten Austausch zwischen den beiden Ansätzen. Die Schulmedizin und ihre Errungenschaften könnten nicht hoch genug eingeschätzt werden, gerade im akuten Bereich, sagt Schlaeppi. Aber: «Sie beleuchtet eben nur die eine Seite der Medaille und stösst an Grenzen, etwa bei chronischen Erkrankungen, und da hat die Komplementärmedizin einiges zu bieten.» Ganz klar sei, dass die Patienten den Einbezug komplementärmedizinischer Methoden und Medikamente wünschten, sagt Marc Schlaeppi: «In der Onkologie beispielsweise nutzen diese 40 bis 80 Prozent der Patienten.» Und je palliativer eine Erkrankung ist, desto eher wird der Komplementärmedizin vertraut.

 

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