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Burnout-Kliniken: Therapiezentren für Schul- und Komplementärmedizin

von Redaktion Millefolia

Von Peter Wäch

In Privatkliniken werden u.a. Burnout-Patientinnen und Patienten interdisziplinär behandelt, dabei kommt auch die Komplementärmedizin zum Einsatz. Dr. med. Lothar Roth ist Leiter der TCM Abteilung – Burnout in der Privatklinik Reichenbach und Leiter der Praxis “Chinesische Medizin Bern”. Der erfahrene Arzt und Kenner der traditionellen chinesischen Medizin sieht in der Kombination aus westlicher und fernöstlicher Medizin klare Vorteile für Therapeutinnen und Therapeuten sowie Patientinnen und Patienten. 

Interview mit Dr. med. Lothar Roth, Mediziner und Facharzt für TCM

Was sind die Gründe, warum sich gerade die TCM besonders gut für komplementäre Behandlungsweisen eignet?
Dr. med. Lothar Roth: China hat mit der TCM etwas, das einzigartig ist auf der Welt. Sie ist mehr als 2000-jährig und es gibt immer noch Original-Dokumente. Auch wurde in dieser langen Zeit TCM immer an Universitäten gelehrt und es wurden bis heute kontinuierlich Ärzte ausgebildet.

In der Privatklinik in Reichenbach, wo Sie die Abteilung für TCM leiten, kommen auch konventionelle Methoden und Körpertherapien zum Einsatz. Können Sie uns ein Beispiel aus der Praxis nennen?
Jede Fachrichtung, ob Psychiater, Psychologen, Körpertherapeuten, Pflege und verschiedene andere Fachrichtungen, führt ein Erstgespräch mit den Patientinnen und Patienten. Im Gremium stellen wir dann eine Diagnose, die wir mittels interdisziplinärer Sitzungen angleichen und für jeden Patienten oder jede Patientin ein individuelles Therapiekonzept entwickeln.

Gibt es ein Grundmuster, das ein Burnout fördert und wo setzt die TCM an?
Gerade bei Burnout-Patientinnen und Patienten lässt sich ein Charaktermuster erkennen. Diese Menschen neigen zu Perfektionismus und sind sich selber gegenüber eher streng. Das wird nicht selten vom Umfeld oder dem Arbeitgeber ausgenutzt. Oft kommt es auch vor, dass eine Person gerne arbeitet und ihre Grenzen nicht mehr findet oder wenig Lob erhält.

Gerade bei Burnout-Patienten lässt sich oft ein gewisses Charaktermuster erkennen. Diese Menschen neigen zu Perfektionismus und sind sich selber gegenüber eher streng.

Wie konkret kann die TCM allein bei Burnout helfen, auch bei komplexeren Krankheitsverläufen?

Eine Kräutertherapie kann Körper und Seele aufbauen und stärken.

Zuerst klären wir ab, ob eine oder mehrere Säulen des Lebens in Schieflage geraten sind. Das sind erstens die Gesundheit, zweitens der Beruf und die Existenz sowie drittens die Partnerschaft oder Familie. Mit der Akupunktur bringen wir Ruhe ins Ungleichgewicht, denn die Betroffenen sind nicht selten erschöpft und angetrieben zugleich. Mit der Kräutertherapie fördern wir den Aufbau und stärken damit sowohl den Körper als auch die Seele. Mit der Akupunktur gelingt es gut, die Patienten zu beruhigen und den Schlaf zu verbessern.

Wie funktioniert TCM?

Die Basis der TCM geht davon aus, dass die Lebensenergie Qi in bestimmten Leitbahnen durch den Körper strömt und so alle Organe miteinander verbindet. Die diagnostischen und therapeutischen Methoden spüren Funktionsstörungen dieser Leitbahnen (Meridiane) auf und versuchen sie zu beseitigen. In der traditionellen chinesischen Medizin wird von Gesundheit gesprochen, wenn Yin und Yang in Harmonie sind. Krankheit bedeutet eine Disharmonie zwischen Yin und Yang.  Alles hat zwei Seiten, wo Licht ist, ist auch Schatten, der Kälte steht die Wärme gegenüber. Wenn hier Ausgleich herrscht, kann das Qi, die Lebensenergie, optimal fliessen und der Mensch ist gesund.

Welche Therapien bieten Sie sonst noch an?
Psychologische Gespräche, Gruppentherapien, psychiatrische Behandlungen, Qi-Gong, Meditation, Lachyoga, Autogenes Training, Reittherapie, Physiotherapie, Yoga, Massage, Neuraltherapie, Ernährungstherapie und verschiedene sportliche Aktivitäten.

Für eine integrative Medizin gibt es verschiedene Parameter. Wo legen Sie die Schwerpunkte?
In der Klinik ist es uns ein Anliegen die Patientinnen und Patienten ganzheitlich zu betrachten und mit ihnen im Gespräch die bestmögliche Therapie zu ermitteln. Sie können auch gewisse Therapien auslassen oder besonders gut wirkende Formen mehrmals besuchen.

Patientinnen und Patienten können auch gewisse Therapien auslassen oder besonders gut wirkende Therapieformen mehrmals besuchen.

Wie erklären Sie einem Patienten oder einer Patientin den Vorteil eines komplementären Ansatzes?
Mit Gesprächen. Ich arbeite mit einer bildhaften Sprache und vielen Beispielen, um den Therapieansatz der chinesischen Medizin zu erklären. Das fördert die Selbst-Erkenntnis beim Patienten und der weiss dann in der Regel genau, ob die Therapie für ihn in Frage kommt oder nicht.

Wenn jetzt zum Bespiel eine schulmedizinische Behandlung mit TCM-Kräutern und gezielter Körpertherapie kombiniert wird, wie eruieren sie dann, was wie wann geholfen hat?
Wir sind pragmatisch, die Hauptsache ist, dass es hilft. Meistens ist es gerade die Kombination der verschiedenen Therapiemöglichkeiten, die zur Heilung beiträgt.

Meistens ist es gerade die Kombination der verschiedenen Therapiemöglichkeiten, die zur Heilung beiträgt.

Wie sind die Rückmeldungen ihrer Patienten?
Praktisch durchwegs positiv! Es kommt vor, dass z.B. jemand besonders auf TCM anspricht und diesen Ansatz dann ausserhalb der Klinik mit einer entsprechenden Fachperson weiterverfolgt.

In der Privatklinik Reichenbach wird für  alle Patientinnen und Patienten ein individuelles Therapiekonzept entwickelt. Ziel ist es, die bestmögliche Therapie zu ermitteln.

Wie wirkt sich die interprofessionelle Zusammenarbeit bei Ärztinnen und Ärzten, dem Pflegepersonal und Therapeuten aus? Was ist der Benefit und wie sind hier die Reaktionen?
Auch hier sind die Reaktionen sehr gut. Bei unserem interdisziplinären Ansatz profitiert vor allem die Patientin oder der Patient, aber auch wir lernen jeweils viel.

Wie oft treffen Sie sich zu interdisziplinären Gesprächen?
Wir treffen uns einmal die Woche zur interdisziplinären Sprechstunde. Dazu kommen die täglichen Sitzungen und Visiten, zweimal pro Woche eine Chefarztvisite oder eine Oberarztvisite.

Wo liegen die speziellen Herausforderungen?
Das Hauptproblem ist die Situation mit den Krankenkassen: Wir stehen hier immer mehr unter Kostendruck. Es ist fast paradox, aber wenn heute jemand nicht in erster Linie mit Pharmazeutika behandelt werden muss, gilt er als weniger krank, ergo gibt es weniger Geld.

Das Hauptproblem ist die Situation mit den Krankenkassen, wir stehen hier immer mehr unter Kostendruck.

Wie lange dauert denn ein Aufenthalt in einer Burnout-Klinik im Schnitt?
Früher waren es 8 bis 12 Wochen, je nach Gesundheitszustand des Patienten. Doch der Kostendruck steigt. Heute liegt der Schnitt nur noch bei 4 bis 6 Wochen. Die Leistung wird zwar weiterhin anerkannt, aber wir erhalten weniger Zeit. Oft müssen wir Patienten entlassen, obschon wir wissen, dass sie noch nicht vollständig gesund sind. So entsteht eine Drehtürmedizin und die Betroffenen müssen später erneut bei uns oder in einem anderen Spital hospitalisiert werden.

Dr. med. Lothar Roth

Dr. med. Lothar Roth interessierte sich während seines Medizinstudiums für chinesische Philosophie. Danach brachten ihn verschiedene Reisen nach China. Dr. Roth fing an, sich auch für die chinesische Medizin zu begeistern. Schliesslich machte er nach dem Staatsexamen eine dreijährige Ausbildung an der Universität für TCM in Hangzhou. Dr. Roth ist Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, Facharzt für Akupunktur und Chinesische Medizin ASA, Leiter Chinesische Medizin Bern, Leiter TCM Abteilung – Burn out Privatklinik Reichenbach / Meiringen, Kursdozent sowie Buchautor.

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Fotos: Unsplash, Pixabay, bern-tcm.ch, zvg

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