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Corona-Virus: Integrative Medizin und Infektionskrankheiten

von Redaktion Millefolia
Jana Siroka

Von Isabelle Zimmermann

Interview mit Dr. med. Jana Siroka

Frau Siroka, Sie sind Oberärztin in einem Notfallzentrum in Zürich. Was ist in der Notfallklinik anders seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie?
Jana Siroka: Seit dem Ausbruch der Pandemie gibt es im Notfallzentrum deutlich weniger Patienten, insbesondere solche mit Bagatellerkrankungen. Geblieben sind die Patientinnen mit schwerwiegenden Erkrankungen und Menschen mit Ängsten und Beschwerden, die eher psychosomatischer Natur sind. Es kommen auch Patienten mit Covid-19 positiven Erkrankungen – in der Deutschschweiz ist die große Welle glücklicherweise aber bisher nicht angekommen.
Neu jedoch ist eine Welle sich sehr rasch ändernder Bestimmungen und Weisungen, mit denen die Verantwortlichen sich den Gegebenheiten anzupassen versuchen. Dies ist verständlich, führt jedoch beim Personal zu Verwirrung und teilweise auch zu Verunsicherung.

Gibt es eine Therapie gegen Covid-19? Welche Medikamente erhalten hospitalisierte Covid-19-Patienten?
Bisher gibt es keine wirksame Behandlung gegen das Virus Covid-19. Weltweit wird mit Hochdruck geforscht, um Medikamente gegen dieses Corona-Virus zu finden. Es gibt aktuell rund 80 Studien dazu. Diese kommen vorwiegend aus China. Die Studien sind in einem experimentellen Stadium, deshalb können noch keine Aussagen gemacht werden. Dies bedeutet, dass bei Patientinnen und Patienten mit Covid-19 positiven Erkrankungen nur sogenannt supportive Massnahmen erfolgen, z.B. die Gabe von Sauerstoff, wenn ein Mangel vorliegt. Zudem werden mögliche Komplikationen wie eine zusätzliche bakterielle Begleiterkrankung behandelt.

Sie haben einen Facharzttitel in Innerer Medizin und in Intensivmedizin. Sie haben zusätzlich eine Weiterbildung in anthroposophisch erweiterter Medizin. Wie unterscheidet sich Ihre ärztliche Tätigkeit von Kolleginnen und Kollegen ohne komplementärmedizinische Weiterbildung?
Dank meiner Erfahrung als Intensivmedizinerin weiss ich, was es bedeutet, einen Patienten mit einem schweren Infekt der Atemwege zu behandeln. Ich weiss, welcher Einsatz und wie viele personelle Ressourcen dazu notwendig sind. Ich kann mir ein sehr gutes Bild machen von den aktuellen Umständen in den Spitälern Norditaliens.

Hier in der Notfallklinik rezeptiere ich den Patientinnen und Patienten auf Wunsch komplementärmedizinische Arzneimittel, wenn sie nach Hause gehen. Dies wird im Allgemeinen sehr geschätzt.

Als Ärztin mit einer anthroposophischen Weiterbildung versuche ich Patientinnen und Patienten immer ganzheitlich wahrzunehmen. Ich beziehe physische, seelische und geistige Aspekte mit ein. Die ganzheitliche Sicht ist auch unterstützend bei Patienten in Krisen, bei Gesprächen mit Angehörigen oder bei der Sterbebegleitung eines Menschen. Hier in der Notfallklinik rezeptiere ich den Patientinnen und Patienten auf Wunsch komplementärmedizinische Arzneimittel, wenn sie nach Hause gehen. Dies wird im Allgemeinen sehr geschätzt.

Behandlungskonzepte der integrativen Medizin können bei einer Pandemie zum Einsatz kommen.

Die UNION der Schweizerischen komplementärmedizinischer Ärzteorganisationen regt an, dass die Komplementärmedizin bei der Pandemiebekämpfung integriert werden soll. Warum?
Ich verwende gerne den Begriff der „integrativen Medizin“, weil sie darauf hinweist, dass sogenannt schulmedizinische und komplementärmedizinische Ansätze vereint werden. In der integrativen Medizin liegt der Schwerpunkt bei Infektionskrankheiten auf der Stärkung des Immunsystems.

Deshalb bin ich der Ansicht, dass auch bei Erkrankungen, wie wir sie derzeit im Rahmen dieser Pandemie erleben, Behandlungskonzepte der integrativen Medizin zum Einsatz kommen können.

Um Krankheitserreger wie Viren oder Bakterien erfolgreich besiegen zu können, braucht die Patientin, der Patient ein gut funktionierendes, körpereigenes Abwehrsystem. Die ganzheitlichen Behandlungsansätze der integrativen Medizin sind darauf ausgerichtet, den Menschen in all seinen Aspekten zu stärken sowie seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Deshalb bin ich der Ansicht, dass auch bei Erkrankungen, wie wir sie derzeit im Rahmen dieser Pandemie erleben, Behandlungskonzepte der integrativen Medizin zum Einsatz kommen können.

Was ist zu tun, wenn man sich infiziert und Symptome wie trockener Husten, Halsschmerzen, Kurzatmigkeit oder Fieber auftreten?
Ganz wichtig ist, dass die Richtlinien des Bundesamtes für Gesundheit eingehalten werden. Insbesondere diejenigen zur Selbstisolation. Wenn Symptome auftreten, muss man unbedingt zu Hause bleiben und je nach Schweregrad der Symptome einen Arzt konsultieren.

Unterstützend können Medikamente aus der Komplementärmedizin eingenommen werden.

Wenn jemand zu Hause Symptome einer Infektion hat, ist es ratsam, sich mit allgemeinen Massnahmen zu stärken: Ausreichend Schlaf, sich warmhalten, viel trinken, v.a. warme Getränke wie Ingwer- oder Zitronentee. Alle Arten von Noxen, also für den Organismus schädliche Substanzen, wie Nikotin, Alkohol und übermässig Zucker sind zu vermeiden. Unterstützend können Medikamente aus der Komplementärmedizin eingenommen werden. Alle ärztlichen Fachrichtungen – die Phytotherapie, die traditionell chinesische Medizin, die Homöopathie und die anthroposophisch erweiterte Medizin – kennen Arzneimittel, die zur Stärkung der Lebenskräfte dienen.

Es gab widersprüchliche Aussagen über fiebersenkende Medikamente wie bspw. Ibuprofen. Können fiebersenkende Medikamente den Verlauf einer Infektionserkrankung negativ beeinflussen?
Fieber ist ein wichtiger Abwehrmechanismus bei Infektionen. Darüber herrscht in der Wissenschaft ein Konsens. Durch Fieber wird das Immunsystem aktiviert, Viren können sich im Körper schlechter vermehren, gewisse Bakterien können bei erhöhten Temperaturen nicht überleben. Selbst auf der Intensivstation weisen Studien darauf hin, dass Fiebersenken bei Infektionen nicht hilft: die Sterblichkeit wird dadurch nicht gesenkt. Zu Covid-19 gibt es derzeit noch nicht genügend solide Daten, um hier diesbezüglich eine Aussage machen zu können.

Bei unkompliziertem Verlauf wäre ich persönlich sehr zurückhaltend mit Fiebersenken bei einer Infektion.

Bei unkompliziertem Verlauf, z.B. zu Hause in Isolation, wäre ich persönlich sehr zurückhaltend mit Fiebersenken bei einer Infektion. Falls das allgemeine Befinden nicht zu sehr beeinträchtigt ist, sollte man eher auf Hausmittel wie kalte Wadenwickel mit Zitronenwasser greifen.

Ingwertee

Ingwer- und Zitronentee können bei einer Infektion helfen.

Was empfehlen Sie allen gesunden Personen? Wie kann man sein Immunsystem stärken?
Die erwähnten allgemeinen Massnahmen sind auch als Vorbeugung wichtig. Schauen Sie darauf, dass Sie genügend – aber auch nicht übermässig – schlafen. Sieben Stunden scheinen eine gute Zeit zu sein. Wichtig ist, dass Sie sich regelmässig bewegen und an der frischen Luft viel Licht und Sonne tanken. Achten Sie auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Bitterstoffe (Chicorée, Artischocken, Bittertees, etc) in der Ernährung regen die Flimmerhärchen in der Lunge an.

Als Prophylaxe können Gesunde ebenfalls komplementärmedizinische oder pflanzliche Arzneimittel zu sich nehmen.

Als Prophylaxe können Gesunde ebenfalls komplementärmedizinische oder pflanzliche Arzneimittel zu sich nehmen. Ganz entscheidend ist zudem, dass alles, was uns ängstigt, das Immunsystem schwächt. Und alles, was uns Freude bereitet, sich positiv und stärkend auf unsere Abwehrkräfte auswirkt.

Als Ärztin haben Sie ein erhöhtes Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken? Was tun Sie, damit Sie in diesen herausfordernden Zeiten gesund bleiben?
Ich praktiziere täglich Basisenergieübungen (ähnlich dem Yoga) und Körperübungen nach der Cantienica-Methode. Die Beschäftigung mit spirituellen Themen gehört zu meinem Alltag. Unterstützend nehme ich prophylaktisch Naturheilmittel (wobei ich dabei konsequenter sein könnte…). Ganz fundamental in der aktuellen Zeit ist für mich der virtuelle oder reale Austausch mit meiner Familie und meinen engsten Freunden. Denn wir alle erleben Ängste ausgelöst durch diese Pandemie. Und damit wir – nicht nur körperlich, sondern auch seelisch-geistig – heil durch diese Zeit kommen, brauchen wir einander!


Dr. med. Jana Siroka

Dr. med. Jana Siroka ist Fachärztin in Allgemeiner Innerer Medizin und in Intensivmedizin. Sie absolvierte parallel dazu eine dreijährige berufsbegleitende Weiterbildung in anthroposophisch erweiterter Medizin. Sie arbeitete u.a. in einem Missionsspital in Zambia und auf der chirurgischen und medizinischen Intensivstation des Universitätsspitals Zürich. Derzeit arbeitet sie als Oberärztin in einem Zürcher Notfallzentrum. In naher Zukunft wird sie in der integrativen Klinik Arlesheim beim Aufbau einer Intermediate Care Station (Station zwischen Intensiv- und Normalstation) mitwirken und diese zusammen mit der Notfallstation leiten. Jana Siroka ist zudem Präsidentin der Vereinigung der Assistenz- und Oberärzte (VSAO) Zürich.

Fotos: Pixabay, zvg


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