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Integrative Onkologie: Den Menschen als Ganzes wahrnehmen

von Redaktion Millefolia

Von Manuela Fey

Krebserkrankungen können zusätzlich zur Schulmedizin mit individuellen ganzheitlichen Methoden behandelt werden. Die Klinik Arlesheim im Baselbiet praktiziert das seit 1921. Sie ist die weltweit erste Klinik für Anthroposophische Medizin.

Die Diagnose Krebs ist immer ein Schock. Sie trifft den Menschen in seiner Ganzheit und konfrontiert ihn mit der Endlichkeit des Lebens. „Im persönlichen Gespräch geht es zunächst darum, den Patienten vollständig aufzuklären“, sagt Dr. Marion Debus. Um eine mündige Entscheidung zur Behandlung zu treffen, müsse der Erkrankte alle Fakten verstehen.

Zudem ist es wesentlich, die Krankheit in den Gesamtzusammenhang der eigenen Biografie zu stellen. Daraus können sich nach und nach Antworten auf die Frage nach dem Sinn der Erkrankung und neue Lebensziele ergeben.

Die Fachbereichsleiterin Onkologie führt weiter aus: „Zudem ist es wesentlich, die Krankheit in den Gesamtzusammenhang der eigenen Biografie zu stellen. Daraus können sich nach und nach Antworten auf die Frage nach dem Sinn der Erkrankung und neue Lebensziele ergeben.“ Wie alle anthroposophischen Ärzte verfügt Dr. Marion Debus sowohl über naturwissenschaftliches Wissen aus dem Medizinstudium mit Approbation als auch über erweiterte Kenntnisse der Anthroposophischen Medizin.

Krankheitsprozess beeinflussen

Das Zusammenspiel von körperlichen, geistigen und seelischen Charakteristika macht aus Sicht der Anthroposophischen Medizin die Individualität des Menschen aus. Diagnose und Behandlung berücksichtigen daher nebst den Befunden des Patienten auch sein allgemeines Befinden und seine individuelle Lebenssituation. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte die holländische Ärztin Dr. Ita Wegman mit Dr. Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, dieses integrative Konzept, um die Gesundungskräfte des Menschen auf diversen Ebenen zu unterstützen.

Während der Behandlung kommen unterstützende Massnahmen zum Einsatz, um die Schulmedizin für den Patienten verträglicher und wirksamer zu machen.

Eine interdisziplinäre Tumorkonferenz klärt zuerst, ob und wie es möglich ist, den Tumor zu beseitigen. Aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse prüft sie alle Verfahren der konventionellen Onkologie: Operation, Strahlentherapie, Chemotherapie und Antikörper-/Immuntherapie. „Während der Behandlung kommen unterstützende Massnahmen zum Einsatz, um die Schulmedizin für den Patienten verträglicher und wirksamer zu machen“, so die Fachärztin.

Ganzkörperhyperthermie

Wärme als Bindeglied

Oft reduziert der Körper bei der Krebserkrankung die Wärmebildung. Die Misteltherapie regt den Wärmehaushalt an und stärkt das Immunsystem. Dadurch nimmt die Fatigue (starke Erschöpfung) ab, Leistungsfähigkeit und Lebensfreude steigern sich. Häufig kombiniert die Klinik die Misteltherapie mit Hyperthermie, einer künstlichen Überwärmung. Die Ärztin: „Wärme ist zentral für die Verbindung von Körper und Seele.“

Wärme ist zentral für die Verbindung von Körper und Seele.

Auch äussere Anwendungen wie rhythmische Einreibungen und Wickel unterstützen den Wärmeorganismus. Sie wirken zudem lindernd bei Schmerzen und Übelkeit. Über die warmen Hände der Pflegekraft kann der Patient Wohltuendes als auch Heilsames in der Berührung empfangen.

Aktiv und kreativ

Mal- und Gestaltungstherapie

„Künstlerische Therapien oder Heileurythmie, eine spezielle Bewegungstherapie, vor der Chemotherapie anzuwenden, hat sich bewährt“, erklärt Dr. Marion Debus. Der Patient begegne danach der konventionellen Therapie mit Motivation und Eigenaktivität. Die Klinik Arlesheim bietet etwa Maltherapie, Sprachgestaltung und Musiktherapie an. Zudem führt sie das Projekt der ambulanten onkologischen Rehabilitation. Patienten lernen in tragender Gemeinschaft, ihre Lebensqualität in grösstmöglicher Selbständigkeit zu verbessern.

Krankheit als Chance

Zur Begleitung von Menschen mit einer Tumorerkrankung gehört genauso die seelische Ebene. So betrachtet die Biografiearbeit die Lebensgeschichte in grösseren Zusammenhängen. „Als fruchtbar hat sich erwiesen, die Ursache der Erkrankung in der Zukunft zu ergründen suchen“, so die Ärztin. Die Krankheit sei ein Prozess und eine Chance, sowohl körperlich als auch seelisch sich zu entwickeln. „Der genesene Mensch kann eine ganz neue Gesundheit mit einer ganz anderen Qualität erleben.“

Der genesene Mensch kann eine ganz neue Gesundheit mit einer ganz anderen Qualität erleben. Durch ihre innere Entwicklung erfahren dies auch Patienten, die keine Aussicht auf physische Heilung haben.

Durch ihre innere Entwicklung würden dies auch Patienten erfahren, die keine Aussicht auf physische Heilung haben. Dr. Marion Debus nennt das Beispiel einer schwer an Brustkrebs erkrankten Patientin. Die vormals eher zurückgezogene Frau bildete eine intensive Art der Sinneswahrnehmung und Lebensfreude heraus. Sie fühlte sich zum ersten Mal richtig im Leben angekommen.

 

Dr. med. Marion Debus

Dr. med. Marion Debus ist Fachärztin Hämatologie/Onkologie (DE) mit Zusatzbezeichnung Palliativmedizin und Fachbereichsleiterin Onkologie an der Klinik Arlesheim in Arlesheim BL. Sie ist Vorstandsmitglied der Gesellschaft Anthroposophischer Ärzte in Deutschland, ärztliche Redakteurin einer medizinischen Zeitschrift und Leitungsmitglied eines berufsbegleitenden Ärzteseminars. Sie hält Vorträge und Vorlesungen im In- und Ausland.

 

Bilder: Klinik Arlesheim, Manuela Fey

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