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«Lebensatem» aus der Stille

Von Manuela Fey

Sanfte Berührungen, sehr tiefe Entspannung und kraftvolle Prozesse: Die Biodynamische Craniosacral-Therapie sieht den menschlichen Organismus als ganzheitliches Energiesystem. Sie orientiert sich am Ausdruck der Gesundheit im Körper.

Es sei nie der Therapeut, der heilt, sagt Dominique Dégranges. „Der Therapeut besitzt die Fähigkeit, die Heilungskräfte im Körper in Beziehung zu setzen mit dem, was nicht in Ordnung ist.“ Dadurch entstehe ein neues Gleichgewicht, so der Instituts- und Ausbildungsleiter für Biodynamische Craniosacral-Therapie.

Der Therapeut besitzt die Fähigkeit, die Heilungskräfte im Körper in Beziehung zu setzen mit dem, was nicht in Ordnung ist.

Entwickelt hat diese subtile Methode Franklyn Sills. Der Amerikaner stützte sich insbesondere auf die Entdeckungen von Dr. William Garner Sutherland, dem Begründer der Cranialen Osteopathie, von Anfang des 20. Jahrhunderts. Dieser fand heraus, dass in den anatomischen Strukturen der Schädelknochen die Fähigkeit zu feinen und komplexen Bewegungsmechanismen angelegt ist. Auch entdeckte der Doktor der Osteopathie, dass das craniosacrale System mit Knochen, Membranen und Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (cerebrospinale Flüssigkeit) gezeitenartig in diversen Rhythmen pulsiert. Der Schädel (Cranium) und das Kreuzbein (Sacrum) bilden die Pole des Systems.

Form und Formlos

Die cerebrospinale Flüssigkeit, so die weitere Entdeckung von Dr. Sutherland, trägt eine vitale Urenergie, den „Lebensatem“, der in alle Zellen des Körpers verteilt wird. Er ist die treibende Kraft der cranialen Rhythmen. Zugleich ist er ein ordnendes und heilendes Prinzip von Mitte und Stille. Ist dieses gestört, entstehen Krankheiten und Beschwerden.

Craniosacral-Therapie zVg

Craniosacral-Therapie zVg

„Heilung entsteht aus der Stille“, weist Dominique Dégranges auf die Besonderheit hin. Die Arbeit mit der Stille mache die Biodynamische Craniosacral-Therapie zu einer seltenen ganzheitlichen Körpertherapiemethode, welche die Form und das Formlose zueinander in Beziehung bringt.

Heilung entsteht aus der Stille.

„Sie erzielt in der Regel sehr gute Resultate etwa bei Schleudertraumata und chronischen Krankheiten sowie bei Babys nach schwierigen Geburten“, führt der Experte aus. Zudem eignet sich diese Methode unter anderem bei Schlafstörungen, Depressionen, Erschöpfungszuständen, Migräne, Wirbelsäulenerkrankungen wie auch zur Prävention. Je nach Indikation geschieht die Behandlung begleitend zur ärztlichen Betreuung.

Gebundene Energien lösen

Ein Mädchen, das vom Zahnarzt eine Zahnspange verordnet bekommen hatte, verspürte während der Behandlung den Impuls, seinen Kopf auf eine bestimmte Weise zu drehen. Dominique Dégranges unterstützte seine Klientin: „Durch das Vollenden der Bewegung löste sich die gebundene Energie im Oberkiefer, die von einer schweren Geburt stammte.“

Durch das Vollenden der Bewegung löste sich die gebundene Energie im Oberkiefer, die von einer schweren Geburt stammte.

Nach einer einzigen Cranio-Sitzung belegten die Röntgenbilder, dass das Mädchen keine Zahnspange mehr benötigte. Der Zahnarzt intensivierte daraufhin die Zusammenarbeit mit dem Therapeuten.

Mit Präsenz, Herz und Hand

Während der Klient bekleidet auf der Massageliege liegt, lauschen die Hände des Therapeuten auf die Qualitäten und Rhythmen des cranialen Systems. Mit bewusster Absicht unterstützt der Therapeut die Selbstregulierung des Körpers und den Heilungsprozess des Klienten: „Die Craniosacral-Therapie kann vom Neugeborenen bis hin zum betagten Menschen wirkungsvoll angewendet werden“, so Dominique Dégranges.

Je mehr Mensch der Therapeut ist, umso besser ist er. Für den Klienten geht es darum, den für ihn richtigen Menschen als Therapeut zu finden.

Dem Klienten begegnet der Therapeut mit Achtsamkeit, Sorgfalt und Wertefreiheit. Er ist präsent, arbeitet mit Herz und einer sehr feinen, tiefen, umfassenden Wahrnehmung. Die Person des Therapeuten betrachtet der Ausbildungsleiter als wesentlich: „Es geht um die Frage, wie ich Menschen begegnen kann.“ Dabei sei die Beziehungswelt zentral. „Je mehr Mensch der Therapeut ist, umso besser ist er“, weiss Dominique Dégranges aus Erfahrung. Für den Klienten gehe es darum, den für ihn richtigen Menschen als Therapeut zu finden.

Dominique Dégranges

Dominique Dégranges

Die Biodynamische Craniosacral-Therapie ist physiologisch und zugleich energetisch; die Prozesse sind individuell und zugleich universell. Das ist der Tanz, der mich fasziniert.

Dominique Dégranges ist Co-Gründer, Co-Instituts- und Ausbildungsleiter des Da-Sein Instituts in Winterthur. Er absolvierte seine Ausbildung der Biodynamischen Craniosacral-Therapie bei Franklyn Sills, der Polarity-Therapie bei Dr. Randolph Stone, der Traumatherapie Somatic Experiencing bei Dr. Peter A. Levine und spezialisierte sich auf Pränatal- und Geburtstherapie bei Ray Castellino. Er unterrichtet seit 25 Jahren, gibt Workshops in diversen europäischen Ländern und arbeitet seit zwanzig Jahren in eigener Praxis in Ottoberg TG.

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