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Lebensretter in Gefahr: Strategien gegen Antibiotikaresistenzen

von Redaktion Millefolia
Die Ärztin Gisela Etter gibt Tipps, was wir alle tun können, damit Antibiotika auch in zehn Jahren noch wirksam sind.
Dr. med. Gisela Etter
  • Die Zahl von resistenten Keimen steigt, je häufiger Antibiotika eingesetzt werden.
  • Antibiotika sind kein effektives Mittel gegen Grippe und Erkältungen.
  • Jeder Mensch muss die eigene Verantwortung wahrnehmen, um den Erhalt von wirksamen Antibiotika zu sichern.
  • Der gezielte Einsatz von Komplementärmedizin kann helfen, den Gebrauch von Antibiotika zu reduzieren.

Wie viele Todesfälle in der Schweiz durch resistente Antibiotika-Erreger verursacht werden, ist unbekannt. Wissenschaftlich erwiesen hingegen ist, dass die Zahl, der mit resistenten Keimen infizierten Personen auch in der Schweiz zunimmt. Geschätzte 70 000 Personen erkranken in Schweizer Spitälern jährlich an sogenannten healthcare-assoziierten Infektionen, zirka 270 sterben daran.

Gefährdet sind vor allem Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr. «Leider können aber auch relativ gesunde Menschen schwer erkranken – nämlich dann, wenn sie mit einem multiresistenten Keim in Kontakt kommen, auf den sie sehr empfindlich reagieren», sagt Ärztin Gisela Etter.

Weniger wäre immer noch mehr

Denn jedes Mal, wenn Antibiotika eingesetzt werden, können resistente Bakterien überleben und von der Beseitigung der anfälligen Bakterien profitieren und sich somit weiter ausbreiten. Die unnötige und zu kurze Verwendung von Antibiotika machen die Bakterien im eigenen Körper regelrecht fit für den nächsten antibiotischen Angriff.

Das wir alle auch in kommenden Jahren noch von der Wirksamkeit von Antibiotika profitieren können, muss jede Patientin, jeder Patient, Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker ihre eigene Verantwortung wahrnehmen und für den Erhalt von wirksamen Antibiotika beitragen. Sprich die Einnahme von Antibiotika so weit wie möglich reduzieren.

Integrative Medizin als erwünschter Weg

«Die meisten Patienten wissen grundsätzlich von diesen Fakten», sagt Gisela Etter. «Die Patienten wollen nicht unbedingt Antibiotika schlucken, sie wollen aber eine rasche Behebung der Krankheits-Symptome.»

Hier komme die Komplementärmedizin ins Spiel.  «Die ärztliche Komplementärmedizin hat traditionsgemäss langjährige Erfahrungen im sparsamen, aber trotzdem sachgerechten Einsatz von Antibiotika», betont Gisela Etter.

Homöopathie ist beliebt, weil die Wirkung vom Säugling bis zum Menschen höheren Alters erlebt wird.

«Weil die Komplementärmedizin sich um die Stärkung des Organismus bemüht und ihre Anwendung in der Bevölkerung beliebt ist, kann sie vor allem in der Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten einen wichtigen Beitrag leisten.

Komplementärmedizin kann aber auch eingesetzt werden, um das Ansprechen auf eine konventionelle Therapie mit Antibiotika zu verbessern wie eine Studie auf einer Intensivpflegestation zeigen konnte», sagt Gisela Etter.

Wie der Name schon sagt, killen Antibiotika Bakterien, töten den Erreger ab, zerstören aber auch die guten Bakterien. Komplementärmedizin wieder unterstützt den menschlichen Körper in seiner Abwehr. Bei Krankheiten wie beispielsweise Blasenentzündung kann Komplementärmedizin die Patientin auch vor einem Rückfall bewahren oder diesen zumindest abschwächen.

Die Ärztin wünscht sich bei ihren Kollegen und Kolleginnen, aber auch beim Personal von Spitälern und Altersheimen, dass einfache Anwendungen komplementärer Heilmethoden stärker geschult werden. Denn sie sagt: «Es gibt zahlreiche Hinweise, dass Grundversorger mit einer Weiterbildung in Komplementärmedizin weniger Antibiotika verschreiben als ihre konventionell tätigen Kolleginnen und Kollegen.»

Was kann ich gegen Antibiotikaresistenzen tun?

  • Unterstützen der körpereigenen Abwehr mit genügend Schlaf, Entspannung, Bewegung an der frischen Luft und einer ausgewogenen, gesunden, Vitaminreichen Ernährung.
  • Bei Krankheit nicht unbedingt Antibiotika verlangen und nach Alternativen fragen. Verschreibt der Arzt sie trotzdem, dann unbedingt in der vorgeschriebenen Dosierung und Dauer einnehmen.
  • Bei Krankheiten, bei denen die Einnahme von Antibiotika nicht nötig ist, auf komplementäre Heilmethoden beziehungsweise alt bewährte Hausmittel vertrauen.
  • Sich einen Hausarzt suchen, der Kenntnisse über komplementäre Heilmethoden hat.
  • Vermeidbare Operationen nicht in Ländern mit zweifelhafter Spitalhygiene vornehmen lassen.

In der Schweiz haben die Bundesräte Alain Berset und Johan Schneider-Amman 2015 die «Nationale Strategie Antibiotikaresistenzen» (StAR) auf den Weg gebracht. Sie wird seit 2016 umgesetzt, holt jedes Jahr alle Beteiligten, auch VertreterInnen aus der Komplementärmedizin, an einen Tisch. Nach Aussage von Gisela Etter wird die Komplementärmedizin in der Umsetzung im Humanbereich im Projekt jedoch noch zu wenig berücksichtigt.

 

Ich bin mit Leib und Seele Ärztin. Ich habe diesen Beruf gewählt, weil ich dem Patienten Gutes tun will. Ich sah während meiner Ausbildung und während meiner Arbeit in der konventionellen Medizin, dass sehr vieles sehr gut ist. Aber gerade in der Heilung und der Begleitung von chronischen Krankheiten hat die konventionelle Medizin für mich zu wenig zu bieten. Deshalb suchte ich eine sinnvolle Ergänzung.

Gisela Etter ist Präsidentin Schweizer Verein homöopathischer Ärztinnen und Ärzte SVHA, Präsidentin UNION Schweizerischer komplementärmedizinischer Ärzteorganisationen, Fachärztin Allgemeine Innere Medizin, Mitglied FMH, Fähigkeitsausweisträgerin Homöopathie (SVHA). Sie arbeitet in ihrer Praxis in Richterswil.

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