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Long Covid integrativ heilen

von Redaktion Millefolia
Long Covid integrativ heilen

Von Andreas Krebs

Bei rund 40 Prozent der schwer Betroffenen treten infolge der Infektion mit Sars-CoV-2 langanhaltende Symptome wie Atemnot, Durchfall und Schwächezustände auf. Bei vielen heilen sie komplett aus. Kann Long Covid integrativ geheilt werden?

Dr. med. univ. Severin Pöchtrager

In der Klinik Arlesheim (BL) werden sowohl Covid-19- wie auch Long Covid-Patientinnen und -Patienten integrativ behandelt. «Wir nutzen die volle Erkenntnis sowohl der Schulmedizin wie auch der Komplementärmedizin, um das jeweils beste therapeutische Ergebnis für unsere Patientinnen und Patienten zu erreichen», sagt Dr. med. univ. Severin Pöchtrager und betont: «Gerade bei Long Covid hat die Komplementärmedizin viel zu bieten.»
Die Beschwerden beim Post-Covid-Syndrom zeigen sich laut Pöchtrager in unterschiedlichen Funktionsbereichen: Manche leiden vor allem unter neurologischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Geruchs- und Geschmacksverlust, andere an Herz-Kreislauf-Lungenbeschwerden, Kurzatmigkeit, Reizhusten und wieder andere haben hauptsächlich Verdauungsprobleme, Erschöpfungszustände oder Muskelbeschwerden. «Es ist wichtig, diese sehr unterschiedlichen Symptomkomplexe gezielt zu behandeln.»

Welche Naturheilmittel beim Post-Covid-Syndrom helfen

Was viele Betroffene eint: ein deutlich gesteigertes Wärmebedürfnis. «Für uns ist das ein zentraler diagnostischer Hinweis», sagt Pöchtrager. «Wir erachten es als wichtig, dass die Wärme den ganzen Organismus ergreift. Und da haben wir viel Erfahrung aus der Onkologie, z.B. mit der Misteltherapie. Damit kann man auch bei Long Covid-Patientinnen und -Patienten die Wärmeregulation wieder anregen. Da scheint sich eventuell ein neues Indikationsgebiet für die Misteltherapie aufzutun.» Zu den wärmebildenden Massnahmen zählen auch äussere Anwendungen wie der Leber-Schafgarbenwickel, therapeutische Einreibungen, Fuss- und Vollbäder sowie Wacholder-Rauchpackungen.

Da scheint sich eventuell ein neues Indikationsgebiet für die Mistel aufzutun.

Wichtige pflanzliche Heilmittel sind laut Pöchtanger auch die Schlehe (Prunus spinosa) und die Brutblätter (Bryophyllum). Potenzierte, pflanzensaure Eisenpräparate werden angewandt, um «den Eisenprozess im Menschen zu stärken und so die Rekonvaleszenz zu unterstützen». Für die Behandlung von Konzentrationsstörungen im Zusammenhang mit Long Covid habe sich die Christrose (Helleborus niger) bewährt.
Rhythmische Massagen, Musik-, Kunst- und Sprachtherapie sowie Physiotherapie und Heileurythmie sind weitere wichtige Eckpfeiler der Klinik Arlesheim bei der Behandlung des Post-Covid-Syndroms. «Es geht darum, die Patientinnen und Patienten in ihrer Vitalität und in ihren leiblichen Gestaltungskräften zu unterstützen und so eine gute Verankerung von Seele und Geist im Leib zu ermöglichen.»

Mit Bewegungstherapien wie der Heileurythmie kann man auch psychische Probleme behandeln.

Wie Bewegungstherapien bei Long Covid helfen

Wieder einen gesunden Rhythmus erlangen: darum geht es auch in der Klinik Le Noirmont (JU), einem nationalen Referenzzentrum für Rehabilitation und Prävention von Herz-Kreislauf- und psychosomatischen Erkrankungen, wo Long Covid-Betroffene ebenfalls erfolgreich integrativmedizinisch behandelt werden. «Unsere Herzinsuffizienzpatientinnen und -patienten haben ein ähnliches klinisches Bild», erklärt Dr. med. Christoph Kaufmann, Chefarzt Kardiologie und Innere Medizin.

Unsere Herzinsuffizienzpatientinnen und -patienten haben ein ähnliches klinisches Bild.

«Man weiss schon lange, dass sie von Atemphysiotherapie profitieren. Die Lunge erholt sich, wenn sie gebraucht wird. Für Long Covid-Patientinnen und -Patienten haben wir die angestammte Therapie so angepasst, dass die Ateminsuffizienz im Vordergrund steht.» Die Physiotherapie wird wie in Arlesheim ergänzt mit bewährten pflanzlichen, homöopathischen und anthroposophischen Heilmitteln.

Die Bandbreite der Komplementärmedizin nutzen

Dr. med. Christoph Kaufmann

Die stationäre Therapie der «anfangs deutlich geschwächten Patientinnen und Patienten» dauert in Le Noirmont meist drei bis vier Wochen. «Die Patienten, die zu uns kommen, hatten oft noch Komplikationen wie Lungenembolien oder eine Sepsis. Bei ihnen ist häufig die Gesamtsituation eher komplizierter als die eigentliche Covid-Erkrankung.» Sie bräuchten spezifische Anwendungen, betont auch Kaufmann.

Es geht darum, ein Milieu zu schaffen, wo der Patient oder die Patientin wieder zu Kräften kommt und allmählich seine Gesundheit aufbauen kann.

Lungenschäden erholen sich laut dem Chefarzt zwar nicht immer vollständig; ein grosser Teil der Betroffenen erhole sich aber glücklicherweise «mehr oder weniger ganz». Da bei vielen Patientinnen und Patienten die Angst im Vordergrund stehe (Stichwort Atemnot), gehöre auch die psychologische Begleitung zur Therapie. Auch da helfe die Bewegungstherapie, «denn Bewegung berührt einem auch». Insgesamt gehe es darum, «ein Milieu zu schaffen, wo die Betroffenen wieder zu Kräften kommen und allmählich ihre Gesundheit aufbauen können».

Covid und das Vitamin D

Bei Covid-19 handelt es sich in erster Linie nicht um eine Lungenerkrankung als solche, sondern eher um eine systemische Entzündung, die nahezu alle Organe und Gewebe befallen und neurologische Komplikationen verursachen kann. Inzwischen ist wissenschaftlich erwiesen, dass ein niedriger Vitamin-D-Spiegel das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs und auch das Sterberisiko erhöhen kann. Oder anders gesagt: Vitamin D kann das Ansteckungsrisiko reduzieren und den Krankheitsverlauf mindern, und zwar wenn der Blutspiegel bei mindestens 50 ng/ml liegt (besser: 70-100 ng/ml). Vitamin D reduziert nicht nur die virale Ansteckungsgefahr, sondern verhindert bzw. lindert auch Entzündungsvorgänge und Gerinnungsstörungen. Gerade deshalb ist eine ausreichende Versorgung mit dem Vitamin so wichtig. Denn viele der Covid-Todesfälle sind auf Blutgerinnsel zurückzuführen, die Lungenembolien und Organversagen oder Schlaganfall verursachen. Vitamin D kann (und soll zumindest in den Wintermonaten) substituiert werden. Es ist kostengünstig und risikoarm. 4000 IE (100 Mikrogramm) pro Tag ist die tägliche Höchstdosis, die laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) als sicher gilt.

Weiterführende Links:


Buchtipp

Johannes Wilken, Frank Meyer: «Corona natürlich behandeln. Covid-19 ganzheitlich verstehen, vorbeugen, heilen», AT Verlag 2021, ca. Fr. 25.-

 

 

 

 

Bilder: Christian Jaeggi, zvg

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1 Kommentar

Alice Leugermann 12. Mai 2021 - 9:07

Vielen Dank für diese guten Tipps.
Ich möchte als Gedächtnistrainerin auch Covid Patienten etwas anbieten. DIeser Artikel hat mich nun auf die Christrose als unerstütendes Mittel zur Steigerung der Konzentration gebracht, und ich werde diese Empfehlung weitergeben.
Ich würde mich freuen, wenn ich in einen Verteiler aufegenommmen werden und die neusten Erfahrungen über die Behandlung von Covid Patienten teilen könnte.

Vielen Dank
Alice Leugermann

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