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100 Jahre im Dienste der Naturheilkunde

von Redaktion Millefolia
100 Jahre NVS

Von Katrin Brunner

Die Naturärzte Vereinigung Schweiz NVS ist mit rund 2500 Mitgliedern der grösste Verband der Komplementär- und Alternativmedizin KAM. Dieses Jahr blickt die Organisation auf eine 100-jährige Tradition zurück.

Ein Gespräch mit Caroline Büchel Co-Präsidentin und Othmar Gisler, Co-Präsident der Naturärzte Vereinigung Schweiz (NVS)

Was macht die NVS unvergleichlich zur im 18./19. Jahrhundert entstandenen Naturheilszene? Aus welchem Gedanken heraus entstand die NVS 1920?
Büchel/O. Gisler:
Als die NVS 1920 im Kanton Appenzell AR gegründet wurde, stand in jenem Kanton die Ausübung der freien Heiltätigkeit auf der Kippe. Die Schulmediziner standen den sogenannten «Kurpfuschern und Quacksalbern» kritisch gegenüber und versuchten an allen Fronten, diese in der Ausübung ihres Berufes zu behindern. Das wollte die damalige NVS verhindern. Das Volk sah dies auch so und stimmte für ein Ja zur freien Heiltätigkeit und damit für ein liberales und in weiten Teilen auch heute noch gültiges Gesundheitsgesetz. Dies war der Startschuss für ein bald schweizweites Engagement der NVS und für die Anerkennung der Naturheilkunde in der ganzen Schweiz.

Gemäss Ihrer Homepage ist «die NVS an allen für den Berufsstand wichtigen Prozessen beteiligt. So auch an der Berufsreglementierung in den Bereichen Komplementärtherapie und Alternativmedizin». Wie sieht das im Detail aus?Die NVS hat sich mit viel Geld und Ressourcen an der Entwicklung und Etablierung der eidgenössischen Berufe «Naturheilpraktiker*in mit eidg. Diplom» resp. Komplementärtherapeut*in mit eidg. Diplom» beteiligt. Diese Abschlüsse auf Tertiärstufe sind ein Verfassungsauftrag aus der Abstimmung zur Initiative «Ja zur Komplementärmedizin» von 2009 und konnten nach jahrelanger Vorarbeit 2016 endlich umgesetzt werden.

Aktuell umfasst die NVS rund 2’500 Mitglieder – ist die Anzahl steigend oder abnehmend?
Die Mitgliederzahlen waren in den letzten Jahren leicht rückläufig. Besonders junge Praktizierende sind den Vorteilen einer Mitgliedschaft bei einem Berufsverband gegenüber etwas skeptisch. Aktuell ist die Tendenz aber wieder steigend.

Die Naturärzte Vereinigung (NVS) vertritt jede Form von Naturheiltherapien und Komplementärmedizin.

Die Naturärzte Vereinigung (NVS) vertritt jede Form von Naturheiltherapien und Komplementärmedizin.

Wie sieht Ihre Mitgestaltung naturärztlicher Berufe aus?
Die NVS engagiert sich aktiv über ihre Mitgliedschaft bei den Organisationen der Arbeitswelt KomplementärTherapie (OdA KT) und Alternativmedizin (OdA AM) an der Gestaltung der Höheren Fachprüfungen. Die NVS Vorstands- und Verbandsmitglieder arbeiten dort in verschiedenen Rollen mit. Andererseits ist die NVS Mitglied beim Dakomed, dem Dachverband Komplementärmedizin, der sich auch auf politischer Ebene für die Anerkennung unserer Berufe engagiert.

Wie steht die NVS Heilpraktikern gegenüber?
Ein grosser Teil unserer Mitglieder sind Heilpraktiker, sie werden heute als Naturheilpraktiker oder Alternativmediziner bezeichnet.

Ein grosser Teil unserer Mitglieder sind Heilpraktiker, sie werden heute als Naturheilpraktiker oder Alternativmediziner bezeichnet.

Der Begriff «Naturarzt» für naturheilkundliche Therapeuten ist veraltet und heute irreführend, bzw. in einigen Kantonen verboten. Aufgrund der 100-jährigen Geschichte behalten wir «Naturärzte» jedoch vorläufig in unserem Verbandsnamen bei.

Othmar Gisler, Co-Präsident NVS

Othmar Gisler, Co-Präsident NVS

Caroline Büchel, Co-Präsidentin NVS

Naturärzte Vereinigung Schweiz

Seit 100 Jahren setzt sich die Naturärzte Vereinigung Schweiz für die Anerkennung von Alternativ- und Komplementärmedizin ein. Ihren Ursprung hat die NVS im Kanton Appenzell Ausserroden. Die rund 2’500 Mitglieder – bestehend u.a. aus Therapeuten/Therapeutinnen, HeilpraktikerInnen, Ärzten/Ärztinnen – sind heute in der ganzen Schweiz tätig. Die NVS verfügt über ein breites Mitgliederangebot, welches von Dienstleistungen im Bereich Versicherungen, Rechtsberatung, Therapeutenverzeichnis bis hin zur Fakturierung für Betriebe geht.

Mehr dazu: www.nvs.swiss

Die NVS bietet auch Dienstleistungen, wie Versicherung, Rechnungswesen, Hilfe bei Rechtsfragen an.
Unsere Mitglieder profitieren u.a. von;

  • unentgeltlicher juristischer Erstberatung
  • Beratung im Praxisalltag durch unsere Geschäftsstelle sowie im Rahmen der Praxisbesuche im persönlichen Gespräch mit einem Vorstandsmitglied

Ganz wichtig ist unseren Mitgliedern – dies hören wir immer wieder –, dass sie einem Verband angehören, der professionell geführt wird, an den sie sich mit Fragen und Anregungen wenden können und sich gut und umfassend informiert und unterstützt fühlen.

«Braucht es die NVS 2020/21 überhaupt noch?»
Auf jeden Fall. Einige Themen aus der Gründerzeit sind nach wie vor aktuell.

Selbst die Anerkennung der Heilpraktikerinnen und Therapeuten mit eidg. Diplomen auf kantonaler und nationaler Ebene hat sich noch nicht durchgesetzt.

Wir fürchten heute noch mehr als früher um die Arzneimittelvielfalt und selbst die Anerkennung der Heilpraktikerinnen und Therapeuten mit eidg. Diplomen auf kantonaler und nationaler Ebene hat sich immer noch nicht durchgesetzt.

Was sind die zukünftigen Herausforderungen?
Es wird weiterhin darum gehen, die Etablierung der eidgenössischen Diplome in den Kantonen voranzutreiben. Es sind noch zu viele Kantone, die nicht zur Kenntnis genommen haben, dass es diese beiden Berufe heute aufgrund der eidgenössischen Abstimmung von 2009 gibt.

Auch wichtig ist die schrittweise Annäherung an die Digitalisierung im Gesundheitswesen und deren Auswirkungen auf die tägliche Arbeit unserer Mitglieder.

Auch wichtig ist die schrittweise Annäherung an die Digitalisierung im Gesundheitswesen und deren Auswirkungen auf die tägliche Arbeit unserer Mitglieder.
Die NVS wird sich dafür einsetzen, dass nicht noch mehr naturheilkundliche Heilmittel vom Markt verschwinden oder die Abgabe durch die Kantone erschwert oder sogar ganz verhindert wird.
Für uns gilt es, nicht stehen zu bleiben, sondern Strategien, Strukturen und Dienstleistungen zeitgemäss weiterzuentwickeln. Einen besonderen Fokus werden wir auf junge Therapeuten legen. Diese für die Verbandsarbeit, für unseren Beruf und unsere Anliegen zu gewinnen und damit die Basis für die nächsten 100 Jahre zu legen, liegt uns am Herzen.


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