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Neurodermitis bei Kindern behandeln

von Olaf Müller
Ein Junge zieht sich auf dem Sofa in seine Kissenburg zurück

von Lisa Heyl

Bis zum Alter von drei Jahren leiden zehn bis fünfzehn Prozent aller Klein­kinder unter einer Neuro­dermitis. Besonders störend sind die trockene, schuppige Haut und der lästige Juckreiz.

Neurodermitis, auch atopische Dermatitis oder atopisches Ekzem genannt, ist eine der häufig­sten Haut­erkrankungen. 15 bis 30 Prozent aller Kinder leiden daran, 2 bis 10 Prozent sind es bei den Erwach­senen. Neurodermitis kann in jedem Lebens­alter auftreten, in zwei Dritteln der Fälle macht sie sich aber bereits im ersten Lebens­jahr bemerkbar. So kann bei­spiels­weise Milch­schorf ein erster Hinweis auf eine Neuro­dermitis sein.

Bei vielen Betroffenen lässt die Erkrankung in der Pubertät nach und heilt gar aus, so sind 70 Prozent aller Jugendlichen, die als Kinder unter Neurodermitis litten, beschwerdefrei. Eine gewisse Empfindlichkeit bleibt jedoch zurück, sodass die Neurodermitis bei den Jugend­lichen in vielen Fällen durch Heuschnupfen oder Asthma abgelöst wird.

Veranlagung zu Allergien

Die Voraussetzung für eine Neurodermitis ist die Atopie, die ererbte Veranlagung, an einer Allergie zu erkranken. Leiden beide Eltern bereits an der gleichen Allergie, erhöht sich das Risiko für die Kinder. Die genetische Veranlagung bleibt ein Leben lang bestehen, auch wenn keine Krankheits­zeichen vorhanden sind. Liegt die Veranlagung für Aller­gien vor, so können verschiedene Faktoren dafür verant­wortlich sein, dass eine Neuro­dermitis irgendwann ausbricht. Hautrei­zungen können etwa durch Dusch- oder Wasch­mittel, Woll­kleider, Schwitzen oder Chemi­kalien in Putz- und Desinfek­tions­mitteln zum Ausbrechen der Erkrankung führen.

Liegt die Veranlagung für Allergien vor, können verschie­dene Faktoren für eine Neurodermitis verant­wortlich sein.

Kinder spielen mit Hund im sommer­lichen Abendlicht

Tierhaare können Allergieauslöser sein.

Allergieauslösende Stoffe in der Nahrung (z. B. Kuhmilch, Eier, Soja, Nüsse, Getreide) oder in der Luft (Pollen, Staub, Tierhaare, Schimmel­pilze) spielen ebenfalls eine Rolle. Zudem hat auch die Jahres­zeit einen Einfluss auf das Auftreten einer Neuro­dermitis. So bricht sie häufig im Früh­jahr oder Spätherbst aus oder ver­schlech­tert sich in diesen Jahres­zeiten.

Beim Auftreten einer Neurodermitis spielen häufig auch belastende Einflüsse auf die Psyche eine Rolle. Das Zahnen, eine fremde Umgebung, ungewohnter Lärm, ein Wetterumschlag, die Überflutung mit Reizen (z. B. im Einkaufscenter) oder ein unregelmässiger Tagesablauf kommen als auslösende Faktoren für eine Neurodermitis ebenfalls in Betracht.

Krankheitsverlauf und Behandlung

Neurodermitis beginnt beim Baby meistens im Gesicht, am Nacken und an den Seiten der Arme und Beine. Ältere Kinder sind auch an Arm- und Knie­beugen, Handgelenken und Waden betroffen. Die Erkrankung verläuft häufig schubartig. Die Kinder haben trockene, spröde und juckende Haut. Besonders Kleinkinder leiden sehr unter dem Juckreiz. Kratzen verschlimmert die Situation zusätzlich. Die Haut wird dabei verletzt, es entstehen Wunden, die sich entzünden und den Juckreiz weiter verstärken können. Ein Arzt­besuch ist dann angebracht, wenn die Haut stark gerötet und aufge­kratzt ist oder sich nässende Ekzeme bilden. Bei akuten Schüben muss die Haut meist medikamentös behandelt werden, um einer zusätz­lichen Infektion mit Bakterien oder Pilzen vorzubeugen.

Quälenden Juckreiz lindern

  • Bäder mit Haferstroh helfen dabei, den Juckreiz zu lindern.
  • Ebenfalls wirksam ist die Ballonrebe (Cardiospermum). Sie kann äusserlich angewendet werden (als Salbe) oder innerlich in der Form von homöopathischen Globuli. Cardiospermum wird auch als Bestandteil eines individuell zusammengestellten spagyrischen Sprays eingesetzt.
  • Die Zaubernuss (Hamamelis) als Waschung oder Salbe verwendet, und Umschläge oder Bäder mit lauwarmem oder kalten Schwarz- bzw. Grüntee können den Juckreiz ebenfalls lindern.
  • Aufgrund ihrer antiallergischen und entzündungshemmenden Wirkung empfehlen sich bei Neurodermitis ausserdem homöopathische Zubereitungen der Honigbiene (Apis mellifica), des Gift-Efeus (Rhus toxicodendron) und der Kleinen Brennnessel (Urtica urens).
  • Gute Erfolge können bei Neurodermitis auch mit dem homöopathischen Heilmittel Tuberculinum (Tuberkulose-Nosode) erzielt werden.
  • In spagyrischen Essenzen wird neben diesen drei Substanzen auch noch Weihrauch (Boswellia serrata) genutzt, da er eine kortisonähnliche Wirkung besitzt.

Neurodermitis verläuft sehr unter­schied­lich. Deshalb unterscheidet sich auch die Behandlung. Neben einer allenfalls vom Arzt verordneten medikamen­tösen Therapie hat die tägliche Pflege der Haut einen hohen Stellen­wert. Unterstützend und ergänzend können komplementäre Behandlungs­methoden zum Einsatz kommen. Stehen psychi­sche Probleme als Auslöser der Krankheits­schübe im Vordergrund, sind bei älteren Kindern auch Entspannungs­techniken, autogenes Training oder Yoga sinnvolle Möglichkeiten.

Tägliche Hautpflege bei Neurodermitis

Person trägt Salbe aus Tube auf Hand auf

Tägliche Hautpflege mit Salben bringt der Haut Linderung.

Die trockene und schuppige Neuroder­mitis-Haut benötigt eine tägliche Basis­pflege mit fett- und feuchtig­keit­hal­tigen Cremen und Salben. Die Pflege­produkte dürfen kein Parfum und Konser­vie­rungs­stoffe enthalten. Produkte mit Harn­stoff (Urea) verbes­sern die Fähig­keit der Haut, Feuch­tig­keit zu speichern. Medizi­nische Ölbäder reinigen die Haut schonend und wirken rück­fettend. Wichtig ist, dass die Wasser­tempe­ratur beim Baden nicht höher als 37 Grad liegt und das Bad nicht länger als etwa zehn Minuten dauert.

Zur Verbesserung der Haut­qualität wird die Einnahme von Kapseln mit Nacht­kerzen-, Borretsch- oder Schwarz­kümmelöl empfohlen. Diese Öle liefern Gamma-Linolen­säuren, einen wichtigen Baustein der Zell­membran. Die Produkte soll­ten während minde­stens zwei bis drei Monaten einge­nommen werden, damit sich eine Wirkung zeigt.

Vorbeugen durch gezielte Ernährung

Bei allergiegefährdeten Kindern kann durch eine gezielte Ernährung in den ersten Lebens­monaten das Risiko für die Entwicklung einer Allergie reduziert werden. Falls möglich, sollten die Kleinkinder bis zu einem Alter von sechs Monaten ausschliesslich gestillt werden. Ist zu wenig Muttermilch da, kann ein Milchersatzprodukt verwendet werden. Studien haben gezeigt, dass bei hohem Allergierisiko so genannt extensiv hydrolysierte Ersatzpräparate einen guten vorbeugenden Effekt aufweisen. Diese recht teuren Produkte sollten jedoch nur in Absprache mit dem Kinderarzt eingesetzt werden. Ist das Risiko geringer, das heisst hat beispielsweise nur ein Elternteil Allergien, kann zur Prävention HA-Milch (hypoallergene Milch) auf der Basis von Kuhmilch verwendet werden. Ersatzprodukte auf der Basis von Soja sind nicht zu empfehlen, da sie unter Umständen allergieauslösend wirken können. Lassen Sie sich in Ihrer Fachperson (Hebamme, Drogerie, Apotheke) beraten, damit Sie die richtige Milch für Ihr Kind finden.

Grundsätzlich sollte jede Woche nur ein einziges neues Nahrungsmittel in die Babykost eingeführt werden.

Kinder reagieren manchmal schlecht auf Nahrungsmittel wie Nüsse.

Ab dem fünften bis siebten Monat wird dann eine altersgerechte Beikost eingeführt, allerdings ohne Kuhmilch und Eier. Bei einem stark erhöhten Allergierisiko empfiehlt es sich sogar, auf Fisch, Kiwi, Erdnüsse und andere Nüsse zu verzichten. Grundsätzlich sollte jede Woche nur ein einziges neues Nahrungsmittel in die Babykost eingeführt werden. So lässt sich einfacher erkennen, worauf ein Kind schlecht reagiert.

Ab dem elften Monat sind dann auch Lebensmittel möglich, die Kuhmilch enthalten. Nur unverdünnte Vollmilch sollte auch jetzt noch vermieden werden. Vollmilch, Eier, Fisch und Kiwi können ab dem zweiten Lebensjahr gegeben werden, ab dem vierten Lebensjahr dann schliesslich auch Erdnüsse und andere Nüsse. Wichtig ist, dass die Kinder genügend Eiweiss, Mineralstoffe wie Kalzium und Vitamine wie A, B-Komplex, C und E zu sich nehmen. Denn Neurodermitiker benötigen eher mehr Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und essenzielle Fettsäuren als andere Menschen.

So helfen Sie Ihrem Kind

Wichtig ist, dass die Eltern Ruhe bewahren. Sie sollten auch kein Kratzverbot aussprechen, da die Schuldgefühle das Kind zusätzlich stressen. Zur Linderung kann die juckende Haut beispielsweise mit einer feuchtigkeitshaltigen Salbe/Creme eingecremt werden. Angenehm kühlend wirkt dies, wenn das Produkt aus dem Kühlschrank kommt. Statt dem normalen Kratzen können alternative «Techniken» wie Kneifen, Kneten, Klopfen, Reiben oder Drücken ausprobiert werden. Bei kleineren Kindern funktioniert Ablenkung durch Herumtragen, Rücken streicheln, Lieder singen, etwas erzählen oder spielen. Ältere Kinder können die innere Anspannung durch Bewegung ableiten.


Quellen & weiterführende Literatur:
Drogistenstern


Bilder: Pixabay, vie Studio, Karolina Grabowska, Kat Smith (pexels.com)

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