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Hands on! Wie wirken Berührungen bei Schmerzen, Stress und Ängsten?

von Redaktion Millefolia

Von Tanya Karrer

Zu berühren, ist eine Kernkompetenz der Komplementärmedizin. Studien zeigen, dass manuelle Therapien doppelt wirken: Einerseits tragen sie zur Stressreduktion bei und beugen so Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Andererseits lindern sie Schmerzen des Bewegungsapparats.

Berührung ist wohl die älteste Heilmethode der Menschheitsgeschichte. Kaum ein Therapeut, kaum eine Ärztin, der oder die Patienten ohne jeglichen physischen Kontakt behandelt. Behandlung, der Begriff sagt es ja bereits. Im Verlaufe der Geschichte haben berührende Therapien denn auch nichts von ihrer Beliebtheit eingebüsst. Im Gegenteil: Wurden einige
Methoden zwar bis vor wenigen Jahrzehnten vielleicht noch in eine esoterisch angehauchte Gspürsch-mi-Ecke gedrängt, so haben sich mittlerweile anerkannte therapeutische Ausbildungen, auch auf akademischem Niveau, durchgesetzt.

Berührung tut gut

Selbst die Forschung interessiert sich zunehmend für die heilsame Wirkung von Berührungen. Das zeigt der starke Anstieg von angemeldeten klinischen Studien innerhalb der letzten Jahre. Die durch Kontaktarmut geprägte Corona Pandemie dürfte diesem Trend zusätzlichen Aufwind verliehen haben. Nur schon für Reiki, die japanische Handauflegekunst, verdoppelten sich die Studien-Einträge zwischen 2019 und 2020.

Studien zeigen, dass manuelle Therapien doppelt wirken: Sie tragen zur Stressreduktion bei und beugen so Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor.

Es wird vorwiegend untersucht, wie sich manuelle, berührende Anwendungen auf das Schmerzempfinden, auf Blutwerte oder auf Ängste und Depressionen auswirken. Unabhängig davon, ob nun Massage, Shiatsu, Akupressur, Skin-to-Skin oder eben Reiki: Die Einzelstudien belegen in den allermeisten Fällen positive Effekte.

Glückshormon Oxytocin

Einzelstudien zeigen, dass sich manuelle Anwendungen positiv auf das Schmerzempfinden, auf Blutwerte oder auf Ängste und Depressionen auswirken.

Was nicht erstaunt: Schon seit vielen Jahren ist bekannt, dass das Bindungshormon Oxytocin nicht nur während der Geburt ausgeschüttet wird, um die Bindung zwischen Mutter und Kind zu intensivieren, sondern auch bei angenehm empfundenen Berührungen.

Oxytocin ist der Kitt zwischen den Menschen, es führt dazu, dass wir uns zugehörig, umsorgt und vertrauensvoll fühlen, was wiederum Stress und in vielen Fällen auch Schmerzen lindern kann. Manuelle Therapien,
unabhängig von ihrer Methodik, wirken so auch präventiv gegen stressbedingte Krankheiten wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Diabetes.

Craniosacral-Therapie gut erforscht

In der Schweiz sind manuelle Therapien nicht genau definiert – im Gegensatz zu Deutschland. Physiotherapie, Chiropraktik und Osteopathie werden bei uns zwar auf Hochschulniveau unterrichtet, aber nur die ersten beiden rechnen über die Grundversicherung ab. Schon 2015 konnte in einer systematischen Übersichtsarbeit gezeigt werden, dass Craniosacral-Therapie und Osteopathie Rückenschmerzen während der Schwangerschaft linderten.

Die Forschung interessiert sich zunehmend für die heilsame Wirkung von Berührungen.

Studienregister verzeichnen aktuell mehrere laufende klinische Untersuchungen zu dieser Form der körperzentrierten Therapie. Auch diverse Übersichtsstudien sind in Arbeit.

Berührungspunkt für die Medizin

Berührung kann also gleichzeitig in zweierlei Hinsicht wirken: Auf einer hormonellen, psychischen Ebene führt sie zu Wohlbefinden und Stressreduktion und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Prävention verschiedenster Krankheiten.
Aber auch indem Knochen, Muskeln, Faszien, Organe und Energiebahnen mit speziellen Griffen bearbeitet und zurechtgerückt werden, können Berührungen nachweislich von Schmerzen des Bewegungsapparats befreien und systemische Erkrankungen lindern. Zu berühren, im eigentlichen wie im übertragenen Sinne, ist eine Kernkompetenz der Komplementärmedizin. Die Berührung verbindet nicht nur medizinische Disziplinen, Therapien und Methoden, sondern sie ist selbst Ausgangs- und Berührungspunkt für eine echte integrative Medizin.


Literaturnachweise:

  • ClinicalTrials.gov
  • Liddle, Sarah D., und Victoria Pennick. „Interventions for Preventing and Treating Low‐back and Pelvic Pain during Pregnancy“. Cochrane Database of Systematic Reviews, Nr. 9 (2015). https://doi.org/10.1002/14651858.CD001139.pub4
  • PROSPERO International prospective register of systematic reviews

Bilder: Unsplash, pixabay

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