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Wirken Globuli & Co.? Der Faktencheck!

von Redaktion Millefolia
Baby und Mutter

von Gisela Etter und Beatrice Soldat

Was ist Homöopathie?

Homöopathie ist eine Therapieform der Komplementärmedizin. Sie wird heute vor allem integrativ, in geeigneten Situationen auch als alleinstehende Behandlungsmethode angewendet. Gerade durch die Antibiotika Resistenzproblematik und Polypharmazie sind nachhaltige und schonende Erweiterungen der Therapiemöglichkeiten gefragter denn je. So wird die Homöopathie regelmässig in medizinischen Fachpublikationen als eine von mehreren Therapieoptionen genannt.

Wenn wir alles Wissen in die Medizin aufnehmen und integrative Medizin praktizieren, ist das die beste Medizin.

Zitat Prof. Philip Tarr, Internist und Infektiologe am Kantonsspital Baselland

Die Homöopathie ist eine Heilmethode, die vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann Anfang des 19. Jahrhunderts entwickelt wurde. Ihre wichtigsten Kennzeichen sind die gezielte Arzneimittelwahl mit Hilfe der Ähnlichkeitsregel, die sich nach den individuellen Krankheitszeichen und Persönlichkeitsmerkmalen des Patienten richtet. Ausgewählt werden die potenzierten Arzneien entsprechend ihrem Arzneimittelbild, das durch Arzneimittelprüfungen an gesunden Menschen, definiert wird.

homeopathy-arnicaHomöopathische Arzneimittel werden in ihrer Herstellung verdünnt und geschüttelt, was man Potenzieren nennt. Der Ausgangsstoff z.B. Arnika wird systematisch in seiner Konzentration reduziert beziehungsweise „potenziert“. Die Lösung, die am Ende dieses Prozesses steht, wird meistens auf kleine Zuckerkügelchen geträufelt – die Globuli.

Homöopathie in der Kritik?

Angesichts fehlender Plausibilität zu den Wirkprinzipien der Homöopathie stellt eine kleine aber lautstarke Gruppe der so genannten «Skeptiker» die therapeutische Wirksamkeit der Homöopathie immer wieder in Abrede. Moderne Wissenschaft bedeutet, dass die Beobachtung wichtiger ist als das Messen. Deshalb sollte Wirksamkeit nicht abhängig gemacht werden von Messbarkeit. Das Leben ist in weiten Teilen nicht messbar!

Das genaue Wirkprinzip für homöopathische hochverdünnte Arzneimittel ist mit heutigen naturwissenschaftlichen Methoden noch nicht ersichtlich. Dass man in der Medizin etwas anwendet aus der Erfahrung heraus, dass es wirkt, ohne zu wissen wie es wirkt, ist jedoch weit verbreitet. Und Experimente aus der Grundlagenforschung belegen, dass auch hochverdünnte homöopathische Arzneien eine Wirkung zeigen.

Die Datenbasis in grossen Übersichtsarbeiten (Meta-Analysen) zur Homöopathie ist noch zu schmal, um definitive Schlussfolgerungen zu ziehen. Es ist mehr Forschung von hoher methodischer Qualität erforderlich, um die Evidenzlage zu verbessern und somit eine klarere Interpretation der vorliegenden Daten zu ermöglichen. Gleichzeitig sollte man sich vor Augen führen, dass nur gerade für 1,4 % aller medizinischen Verfahren, die nach Cochrane-Standards untersucht wurden, gilt, dass sie sicher hilfreich und wissenschaftlich eindeutig belegt sind. Und in der ärztlichen Grundversorgung sind weniger als 20% der medizinischen Interventionen evidenzbasiert, wenn man ausschliesslich die Studienlage berücksichtigt.

In der ärztlichen Grundversorgung sind weniger als 20% der medizinischen Interventionen evidenzbasiert.

Nicht verwechseln darf man Homöopathie beispielsweise mit rein pflanzlichen Zubereitungen der Phytotherapie.
Für die Behandlungsqualität und Patientensicherheit existiert in der Schweiz ein Fähigkeitsausweis Homöopathie, der vom Schweizerischen Institut für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF) und von der FMH anerkannt ist und für Naturheilpraktiker und Komplementärtherapeuten ein Eidgenössisches Diplom.

Homöopathie ist beliebt!

Es ist gut nachvollziehbar, dass in einer Zeit von Ökologie, Artenvielfalt und Nachhaltigkeit die Homöopathie an Boden gewinnt. Eine Umfrage unter Schweizer Pädiater*innen hat 2019 gezeigt, dass fast 100% von ihnen nach Komplementärmedizin gefragt werden, und die Homöopathie ist eine der am häufigsten nachgefragten Therapiemethoden.
Link: https://smw.ch/article/doi/smw.2019.20091

Die Homöopathie ist eine der am häufigsten nachgefragten Therapiemethoden.

Ebenso zeigte auch die letzte Schweizerische Gesundheitsbefragung des Bundesamtes für Statistik (BFS), die im Februar 2019 publiziert wurde, dass komplementärmedizinische Leistungen mit steigender Nachfrage gewünscht sind. Homöopathie ist die meistgenannte komplementärmedizinische Methode, der vier in der Grundversicherung vergüteten komplementärmedizinischen Fachrichtungen.

Laut einer Forsa-Umfrage von 2020 waren mehr als 50 Prozent der Befragten stark oder sehr stark an Informationen homöopathischer Mittel als Präventivmaßnahmen zum Schutz gegen das Coronavirus interessiert.

Alles nur Placebo?

Erfahrungen in der Praxis bei selbstlimitierenden Beschwerden sind durch Placeboeffekte, natürliche Krankheitsverläufe sowie die Regression zur Mitte beeinflusst. Und jede ärztliche Tätigkeit hat bewusst oder unbewusst einen Placebo Effekt – auch die Homöopathie. Die Erfahrungen in der Praxis zeigen jedoch oft eine anhaltende Wirkung der Homöopathie auch nach Absetzen der Arznei. Die Wirkung bei Wiederholungen der Arznei wird nicht schwächer, was bei einem reinen Placebo Effekt zu erwarten wäre. Zudem verwendet die Homöopathie winzige, weisse Globuli, statt grosse blaue Pillen, die viel eher in der Lage wären einen Placebo Effekt zu erzielen. Homöopathie wirkt ganzheitlich. Behandelt man einen Menschen mit Migräne, dann würde ein Placebo die Migräne positiv beeinflussen und nicht ganz nebenbei auch noch die Schlafstörungen, Verdauungsschwierigkeiten oder Beschwerden der Haut.

Gemäss neusten Erkenntnissen wirken Antidepressiva nicht besser als Placebo.

Gemäss neusten Erkenntnissen wirken Antidepressiva nicht besser als Placebo. Originalartikel «Considering the methodological limitations in the evidence base of antidepressants for depression: a reanalysis of a network meta-analysis» zu finden im BMJ open.

Erich Seifritz, Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik in Zürich kommentiert: «In der klinischen Praxis hat sich die Wirksamkeit von Antidepressiva in der Behandlung von Depressionen über Jahrzehnte hinweg bestätigt.»

Homöopathie bewährt sich in der klinischen Praxis seit über 200 Jahren!

Fazit zur Homöopathie:

Regelmässig stattfindende sozialwissenschaftliche Befragungen zeigen, dass Homöopathie beliebt ist bei hoher Zufriedenheit bezüglich Wirksamkeit und Verträglichkeit. Deshalb werden homöopathische Arzneimittel gerne bei Säuglingen, Kindern, Schwangeren, Menschen mit Mehrfacherkrankungen und Menschen höheren Alters angewendet.
Die Schweizer Bevölkerung hat sich 2009 mit überwältigender Mehrheit für die Komplementärmedizin ausgesprochen. Die ärztlich angewandte Homöopathie wird seit 2017 von der Grundversicherung übernommen.

Die oft bemängelte Evidenzlage in der Homöopathie liesse sich durch öffentliche Forschungsförderung nachhaltig beheben. Gemäss Verfassungsartikel 118a wäre der Bund dazu verpflichtet!


Die Autorinnen

Dr. med. Gisela Etter

Dr. med. Gisela Etter ist Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH mit einem Fähigkeitsausweis in Homöopathie (SVHA). Sie ist Präsidentin des Schweizerisches Vereins Homöopathischer Ärztinnen und Ärzte (SVHA), Präsidentin der UNION Schweizerischer komplementärmedizinischer Ärzteorganisationen und Mitglied im Vorstand des Dachverbands Komplementärmedizin.

Beatrice Soldat

Beatrice Soldat

Beatrice Soldat ist Naturheilpraktikerin mit eidg. Diplom in der Fachrichtung Homöopathie. Sie ist sowohl Mitglied im Vorstand des Homöopathie Verband Schweiz HVS als auch der Organisation der Arbeitswelt Alternativmedizin OdA AM.

 

 

Fotos: pixabay

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1 Kommentar

Manhart Rita 12. Oktober 2021 - 13:25

Herzlichen Dank für den aussagekräftigen Artikel welchen ich gerne meinen Patienten und weiteren Interessierten Menschen weiter gebe. Danke auch für euren Mut Stellung zu beziehen trotz scharfem Gegenwind für Veröffentlichungen die nicht dem “Mainstream” entsprechen.

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