Ob «Dry January» oder eine alkoholfreie Fastenzeit – die guten Vorsätze zum Jahresbeginn sind längst ein gesellschaftlicher Trend. Einer, für den der Körper zu jeder Jahreszeit dankbar ist.
- Junge Menschen in der Schweiz trinken immer weniger Alkohol
- Eine risikofreie Menge Alkohol gibt es laut aktueller Forschung nicht
- Schon eine kurze Alkoholpause bringt spürbare Veränderungen für Körper und Alltag
von Désirée Klarer
Der tägliche Alkoholkonsum geht zurück
Ein Glas Rotwein zum Essen, am Geburtstag die Champagnerkorken knallen lassen oder zwei, drei Kafi-Schnaps am Fasnachtsumzug: Kaum ein anderes Genussmittel hat in sozialen Kontexten so einen hohen Stellenwert wie der Alkohol. Und das, obschon mittlerweile zweifelsfrei belegt ist, dass es kein gesundes Mass gibt.
«Anzuerkennen, dass bisherige Normen nicht mehr gelten, ist schwer», sagt Luna Hannappel, Projektleiterin «Dry January» beim Blauen Kreuz Schweiz. Die Alkoholindustrie fördere das Narrativ vom gesunden Mass. «Solange die Bevölkerung glaubt, dass Alkohol auch gesund sein könnte, steigert das den Umsatz», sagt Luna Hannappel.
Der tägliche Alkoholkonsum ist in den vergangenen 30 Jahren zurückgegangen, das zeigt das Suchtpanorama 2025 von Sucht Schweiz. Diese Entwicklung geht auf die jüngeren Generationen zurück, bei denen es immer populärer wird, keinen Alkohol zu trinken. Nicht nur zwischen den Generationen, auch allgemein ist der Konsum in der Bevölkerung äusserst ungleich verteilt: 12 Prozent trinken die Hälfte der gesamten Alkoholmenge.
In der Schweiz machen eine Million Menschen mit beim «Dry January»

Luna Hannappel, Projektleiterin Dry January
Aktionen rund um alkoholfreie Phasen erhalten immer mehr Zulauf. Die bekannteste ist in der Schweiz der «Dry January», der erstmals 2021 mit rund 4000 Teilnehmenden durchgeführt wurde.
Die App erinnert täglich daran, keinen Alkohol zu trinken und macht Erfolge sichtbar. Luna Hannappel, Projektleiterin Dry January
Die Aktion ist seither markant gewachsen, 2026 haben gemäss dem Blauen Kreuz Schweiz bereits eine Million Menschen mitgemacht. Um durchzuhalten, gibt es auch eine App. Die Projektleiterin Luna Hannappel erklärt: «Die App erinnert täglich daran, keinen Alkohol zu trinken, und macht Erfolge sichtbar. Das unterstützt grundlegend, um die Alkoholpause durchzuhalten.»
Gönnen Sie Ihrer Leber eine Pause!
Ohne Alkohol hat die Leber weniger Arbeit und erholt sich schneller.
- Schon nach wenigen Wochen sinken die Leberwerte wie Gamma-GT deutlich
- Fettablagerungen in der Leber (Fettleber) verschwinden oft komplett nach zwei bis sechs Wochen Alkoholabstinenz
- Entzündungen gehen zurück, und die Leber kann sich selbst besser heilen
- Langfristig sinkt das Risiko für schwere Schäden wie Leberzirrhose stark.
Besserer Schlaf und mehr Energie ohne Alkohol
Dass sich Durchhalten lohnt, zeigt auch die Resonanz der Teilnehmenden: Über 80 Prozent berichten von besserem Schlaf und mehr Energie. Bei einer nicht-repräsentativen Umfrage gaben 82 Prozent der Befragten an, ihre Pause verlängern zu wollen. 97 Prozent möchten in Zukunft sogar langfristig weniger Alkohol trinken.
Über 80 Prozent berichten von besserem Schlaf und mehr Energie.
Im Kanton Schwyz läuft vom 18. Februar bis 4. April 2026 zum zweiten Mal die Aktion «Alkoholfreizeit». Die Bevölkerung wird dazu eingeladen, während der Fastenzeit nach der Fasnacht für 40 Tage bewusst auf Alkohol zu verzichten. Mit 46 Teilnehmenden im Jahr 2025 steckt die Aktion im Vergleich zum schweizweit etablierten «Dry January» noch in den Kinderschuhen.
«Während der Fastnacht wird schon sehr viel getrunken»
Melitta Klarer, selbst rege Fastnachtsgängerin aus der Region, kennt die Aktion nicht, verzichtet aber nach der Fastnacht ohnehin auf Alkohol. «Während der Fastnacht wird schon sehr viel getrunken. Es ist gut, die Leber zu schonen und dem Körper allgemein wieder etwas Gutes zu tun, damit er sich erholen kann.»
Sie wolle deshalb nicht nur auf Alkohol verzichten, sondern gleich eine Fastenkur machen. «Es ist nur noch die Frage, wann ich damit anfangen soll. Allerdings sind Treffen bei Freunden auch nur Ausreden. Man kann immer damit anfangen, wenn man wirklich will», sagt die Schwyzerin.

Erfahren Sie in diesen Millefolia-Artikeln mehr über den Fastnachtsbrauch und die Fastenzeit – und warum eine überlastete Leber auf die Stimmung schlägt:
Bilder: andreycherkasov – Freepik.com / Vitaly Gariev – Unsplash.com/ Luna Hannappel – zVg / reganography – Unsplash.com / Matthias Reding – Unsplash.com
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